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Die Baugeschichte des Grünfelder Parks

Die bürgerliche Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts brachte auch die Entstehung eines neuen Naturgefühls hervor. Nach dem Vorbild der vorausgegangenen englischen Landschaftsgärten fasste die Idee dieser neuen Gartenkunst bereits um 1750 auf dem europäischen Festland Fuß und entwickelte sich rasch zu einer Mode. Vielfältige Anregungen der britischen Inseln fanden sich schon ab 1764 in der Wörlitzer Parkanlage des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau wieder. Der Park Grünfeld in Waldenburg zeigt sich vom Muster der Wörlitzer Anlage beeinflusst und gehört, neben Machern und Röhrsdorf bei Dresden, zu den bedeutendsten und größten sentimentalen Landschaftsgärten Sachsens. Auftraggeber und Ideenstifter des in Anlehnung an englische Gärten als „Greenfield“ bezeichneten Parks war Graf Otto Carl Friedrich von Schönburg-Waldenburg (1758-1800), der 1790 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde.
Auf seiner 1776 bis 1779 unternommenen Kavalierstour hatte Otto Carl Friedrich verschiedene Landschaftsgärten in England, Frankreich, der Schweiz und Deutscher Staaten besucht. Die Vielzahl der gesammelten Eindrücke, die Auseinandersetzung mit den humanistischen Idealen der Aufklärung und nicht zuletzt der Regierungsantritt 1779 erlaubten dem jungen Grafen die zielgerichtete Umsetzung seiner Gartenideen. So erfolgte schon ein Jahr später der Zukauf von Weideland in der Muldeaue, von Wald am Callenberger Berg und der Kauf eines Gutshofes. Damit war die territoriale Geschlossenheit einer abwechslungsreichen Landschaft als Gestaltungsvoraussetzung für den Park erreicht. Das durch Bachläufe, Teiche, offene Wiesenflächen mit einzelnen Gehölzgruppen und Laubwaldhänge strukturierte Gelände, von über 110 Hektar, war in seinem naturgegebenen Charakter bereits so ideal für die Anlage eines englischen Parks geformt, dass sich grundlegende Landschafts- und Reliefkorrekturen auf wenige Maßnahmen beschränken ließen.
Selbst der Standort des miterworbenen bäuerlichen Hofes kam den Absichten eines ungezwungenen, ländlich-sittlichen Familienlebens, abseits der städtischen Residenz, entgegen. Das aus diesem Anwesen hervorgegangene „Schloss“ oder „Schlösschen“ wurde im neugotischen Stil überformt, mit „Lustbarkeiten“, wie Karusell, Vogelhaus, Seidenhasenhaus, Pavillon und Parasol ergänzt sowie mit den notwendigen, gleichsam neugotisch ornamentierten Ökonomiegebäuden zu einer geschlossenen sommerlichen Hofhaltung ausgebaut. Gotisierende Spitzbögen und filialartig überhöhte Fensterverdachungen kaschierten die ursprünglich bäuerlich barocken Proportionen und gliederten den fünfachsigen Hauptbau neu. Die Gebäude sind auf einem zeitgenössischen Gemälde (um 1790) von Johann Christian Klengel (1751-1824) dokumentiert. Otto Carl Friedrichs Sohn, Fürst Otto Victor I.(1785-1859), ließ das baufällig gewordene „Schlösschen samt umgebender Lustbarkeiten“ 1841/42 abreißen. Lediglich ein Teil der Wirtschaftsgebäude blieb stehen und wurde in den Baukomplex des 1844 bis1846 neu errichteten Teehauses integriert.
Nach dem Plan aus dem Jahr 1813 war der französisch angelegte „Welsche Garten“ dem Schlösschen östlich vorgelagert. Bei diesem Gartenteil handelte es sich vermutlich um eine Mischform aus Lust- und Wirtschaftsgarten, der dem geometrischen Muster des Barock verbunden blieb. Mit den Grundwerten des Vergnügens, der Entspannung und des Naturgenusses verband sich auch der ökonomische Nutzen. So deuten die Namensgebung „Greenfield“, im deutschen Sprachgebrauch mit Weideland zur Viehhaltung gleichzusetzen, das jagdlich genutzte Tiergehege, die „Seidenhasenzucht“ und der Bau einer Kattunmanufaktur im Außenpark auf wirtschaftliche Nebenabsichten hin.
Die Auffassung über die Einheit von Kunst und Natur, wie sie im Standardwerk von C.C.L. Hirschfeld „Theorie der Gartenkunst“ (1779-85 veröffentlicht) erschien, spiegelt sich in der Parkgestaltung von “Greenfield“ unverkennbar wieder. Dieses neue Gartenideal verstand sich als Gesamtkunstwerk aus gegebener, sich frei entfaltender Natur, Gartenbau, Architektur und Kunst. Neben den in Hirschfelds „Theorie“ vorgestellten Grundsätzen und Mustern der Gartenkunst waren die Einflechtung persönlicher Erfahrungen und Assoziationen des Bauherren für die Gesamtgestaltung der Anlage prägend. Entsprechend des Formempfindens der Aufklärung und des aufkeimenden Klassizismus zeigen sich viele Bauten stark von der griechisch-römischen Antike beeinflusst. Davon zeugen die unverändert erhalten gebliebenen Bauwerke Badehaus, Mausoleum und Gesundheitsquell. Die ursprünglich zahlreichen, jedoch nicht vollständig erhaltenen Kleinarchitekturen und Gartenrequisiten lassen die philosophische Sicht auf die Natur, die Fülle inhaltlich verdichteter Szenarien eines pantheistischen Weltgefühls mit paradiesisch-arkadischen Stimmungen aus dem Zeitalter der Empfindsamkeit noch erahnen. Eine Vielzahl variantenreich ausgeführter Brücken und Kleinbauten bedienten sich der Formenvielfalt verschiedenster Epochen und Kulturkreise. Darüber hinaus belegt auch das neogotische Erscheinungsbild des „Schlösschens“ eine sentimentale Rückbesinnung auf alte Kulturwerte. Nach dem vom 23. August 1795 datierten Plan des bauausführenden Hofgärtners J. B. Eichen fand die Gestaltungsphase des ersten und wichtigsten Parkensembles zu dieser Zeit ihre vorläufige Vollendung.














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